Hausfassade – vom Bau zur Verzierung

Die Hausfassade ist nicht nur das „Aushängeschild“ für das Eigenheim, sondern hat auch baubiologische und bauphysische Eigenschaften. Wer seine Fassade bauen, erneuern oder verzieren will, sollte als erstes die auf den Bau bezogenen Funktionen einer Fassade bedenken und erst danach die ästhetischen Aspekte berücksichtigen, denn nachhaltiges Bauen geht über die Verzierung, was nicht heißt, dass die ästhetische Funktion zu vernachlässigen wäre. Doch wichtiger als die Frage, was schön aussieht, ist die Frage, was sich mit der Bausubstanz verträgt, was witterungsbeständig ist und möglichst auch zu einem angenehmen Raumklima beiträgt.

Der Begriff der Fassade wird nicht umsonst auch genutzt, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht: „Guck nur mal hinter seine Fassade!“ oder „Das ist alles nur Fassade.“ Diese Sätze sind negativ konnotiert, suggerieren sie doch, dass die Fassade nichts weiter sei als eine Art Schauspiel, was anderen präsentiert wird. Leider ist es bei Immobilien nicht selten, dass auch Bauherren die Hausfassade genauso verstehen und lieber alles dafür tun, die Fassade schön aussehen zu lassen, während es dahinter eher dürftig aussieht. Fassadenfarbe, Fassadenmuster, Fassadenverkleidung oder Fassadenmalerei sind oft noch die wichtigsten Entscheidungsfaktoren, was aber unter Rücksicht auf die Aspekte der Nachhaltigkeit nur unvollständig ist. Weitaus wichtiger ist, welcher Fassadenaufbau und welche Materialien für den Bau gefordert sind, um die Bausubstanz so lange wie möglich zu erhalten. 

Fassade – Aufbau und Funktionen

Um Aufbau und Funktion einer Fassade zu verstehen, braucht es zunächst eine Definition der Fassade. Bei der Fassade handelt es sich um eine gestaltete und sichtbare Hülle von Gebäuden. Die Haus-Fassade umgibt somit die Bausubstanz der Immobilie, wobei es verschiedene Fassadenelemente für die Bauart und die repräsentative Funktion gibt. Meistens meint man mit „Fassade“ lediglich die Schauseite des Hauses, also jene Hausseite, die zur Straßenanbindung zeigt. Moderne Fassaden sind deshalb besonders dekorativ, um das Haus hervorstellen zu können. Doch eine Fassade erfüllt noch mehr Funktionen als die reine Repräsentation. Sie dient 

  • dem Witterungsschutz,
  • der Dämmung,
  • dem Erhalt der Bausubstanz, also des Mauerwerks.

Deshalb ist es wichtig, wenn man eine Fassade sanieren will, alle Funktionen zu berücksichtigen und sich nicht nur auf die Ästhetik zu verlassen. Eine Fassade zu erneuern bedeutet somit, Rücksicht zu nehmen auf das Haus, ohne dabei die Repräsentanz zu vernachlässigen. Die Fassaden-Kosten sind dabei äußerst variabel, immer abhängig davon, was man sich leisten will oder kann. Es gibt viele Möglichkeiten, Fassaden zu renovieren oder neu aufzubauen, ohne dabei zu tief in die Geldbörse greifen zu müssen.

Tipps:

  • Machen Sie sich klar, warum Sie eine Fassade erneuern wollen.
  • Recherchieren Sie nach der Bausubstanz und der Vereinbarkeit mit Fassadenbauweisen.
  • Finden Sie den Einklang zwischen Repräsentation und baurelevanten Maßnahmen und Materialien. 

Fassadenarten im Überblick

Eine Fassade kann auf sehr viele Weisen entstehen und zusätzlich ist auf die Fassadenverkleidungen zu achten. Eine Fassadenverkleidung ist meist aus Holz, kann aber auch mit Aluminium oder anderen Materialien vorgenommen werden. Es ist deshalb zwischen Verkleidung und der Fassade an sich zu unterscheiden, auch wenn die Fassade selbst eine Verkleidung sein kann. Folgende Fassadenarten gibt es:

  • Außenwände,
  • Doppelfassade,
  • Elementfassade,
  • Glasfassade,
  • Integralfassade,
  • Pfosten-Riegel-Fassade,
  • begrünte Fassaden,
  • Fassaden mit Photovoltaik,
  • Medienfassade,
  • Leichtkonstruktionsfassade,
  • Loch- und Band-Fassade,
  • Metallgewebefassade,
  • beheizte Fassade,
  • vorgehängte und hinterlüftete Fassade,
  • Vorhangfassade und
  • Hybridfassade.

Die Fassaden können nur in Abhängigkeit zur Konstruktion des Gebäudes erbaut werden. Das heißt, nicht jede Fassadenart ist für jedes Gebäude geeignet.

Tipp: Prüfen Sie vor dem Bau, welche Fassadenarten zu Ihrer Immobilie passen und mit welcher Variante Sie Ihre Ziele erreichen können.

Eine Fassade bauen

Ganz egal, ob Sie eine Fassade renovieren wollen oder eine Fassade sanieren möchten: Entscheidend ist, alle Kosten und Aufwände zu berücksichtigen, die anstehen, wenn Sie eine Fassade erneuern möchten. Der Fassadenbau ist dabei immer das Maß aller Dinge, denn Verzierungen sind gewissermaßen nur das i-Tüpfelchen. Wie Sie oben sehen, gibt es zig Varianten von Fassaden. Folglich kann kein pauschaler Aufbau beschrieben werden, denn jede Fassadenart hat eigene Baumerkmale. Es gibt aber grundlegende Prinzipien, die beim Bau immer einzuhalten sind; diese entschlüsseln Sie mit den folgenden Leitfragen:

  • Kann die Hausmauer weitere Masse tragen?
  • Braucht es eine Unterkonstruktion?
  • Müssen Dämmmaterialien eingebaut werden?
  • Soll die Fassade begrünt werden?
  • Welche Muster oder Verzierungen sollten sichtbar sein?
  • Gibt es einen konstruktiven Fassadenschutz?
  • Verträgt sich eine Kunststoff Fassade mit der Bausubstanz?
  • Mit welchen Niederschlägen ist pro Jahr zu rechnen? Wie ist das Klima?
  • Ist die Fassade einsehbar?
  • Welche Diffusionseigenschaften hat das Mauerwerk?
  • Und last but not least: Wie soll die Fassade später aussehen?

Diese Fragen führen zu insgesamt zwei großen Arten von Fassadenbauten:

1. Fassade direkt an Gebäudemauer wie z. B. mit Putz.

2. Fassade indirekt an Gebäudemauer (also vorgehängt), z. B. getrennt durch Unterkonstruktion.

Eine dritte Bauart, die im strengen Sinne zur ersten gerechnet wird, ist das blanke Mauerwerk als Fassade, bei Ziegelsteinen die sogenannte Klinkerfassade. Diese kann aber auch indirekt vor einer bestehenden Gebäudemauer errichtet werden als vorgehängte Fassade. Wollen Sie also eine Fassade neu bauen, orientieren Sie sich an der Bauweise und der Frage, ob diese mit den Gebäudemauern verträglich ist. Im Groben gibt es:

  • WDVS-Fassaden,
  • gestrichene Putzfassaden,
  • Holzfassaden,
  • Fassadenverkleidung mit Klinker oder Schiefer.

Natürlich sind noch Alu-Fassaden oder andere Metall-Fassaden zu erwähnen, die aber je nach Beschaffenheit zu den obigen ergänzt werden können. Eine Fassade bauen Sie in der folgenden Reihenfolge:

  1. Klarheit verschaffen, welche Fassade gebaut werden soll.
  2. Sämtliche Materialien und Werkzeuge bereitstellen.
  3. Ausbesserungen am Mauerwerk bei Bedarf vornehmen. Das könnten z. B. Putzarbeiten sein, Maurerarbeiten oder auch Zimmermannsarbeiten.
  4. Ggf. Aufbau einer Dämmung. Achtung: Es muss eine komplett dichte Hülle gebildet werden, die dauerhaft fest verschlossen bleibt.
  5. Bau der Fassade im engen Sinne inklusive einer Hinterlüftung für die Dämmung.

Tipp: Gehen Sie beim Aufbau vom Mauerwerk nach außen vor: Mauerwerk -> Lattung / Dämmung -> Hinterlüftung -> Lüftungswinkel -> Fassadenverschalung (Holz, Metall, Kunststoff o. Ä.).

Eine Fassade verzieren

Fassadendesign beschränkt sich nicht nur auf die Frage, welcher Fassadenanstrich am schönsten ist. Am besten ist es, alle Fassadenelemente zu berücksichtigen, um überhaupt eine Entscheidung zu treffen, was an der Fassade zu tun ist. Die wichtigsten Aufgaben zur Verschönerung sind:

  • Fassade verputzen,
  • Fassade anstreichen,
  • Fassadenmuster setzen,
  • Fassadenmalerei,
  • Fassadenreinigung.

Eine Verzierung kann meistens erst vorgenommen werden, wenn die Fassade stabil und sauber ist. Deshalb sind nicht nur etwaige Ausbesserungen erforderlich, sondern auch eine gründliche Reinigung der Fassade, die selber schon zur Verzierung beitragen kann, wenn dadurch Fassadenelemente wieder sichtbar werden. Je nach Material und Bauweise einer Fassade sind verschiedene Verzierungsarbeiten bzw. Verschönerungen möglich:

Holzverkleidung als Fassade

  • Reinigung
  • neuer Farbanstrich
  • Fensterläden
  • Malereien
  • Dekorationsobjekte wie Geweihe oder Musterhölzer

Verputzte Fassade

  • Reinigung
  • neue Putzlage (z. B. mit Edelputz)
  • neuer Farbanstrich
  • Putzmuster mit entsprechenden Werkzeugen wie Schablonen
  • Stuckelemente

Mauerwerk als Fassade

  • Reinigung mit Sandstrahlung für die Optik von Klinkersteinen
  • Farbanstrich
  • Verputzen mit Unterputz, Oberputz und Fein- bzw. Edelputz

Fassadenverkleidung mit Klinker oder Schiefer

  • Reinigung

Bei anderen Fassadenbauten wie mit Metallvorbauten oder einer Alu-Fassade ist die Reinigung das Mittel der Wahl für Verschönerungsarbeiten. Verzierungen sind meistens nur bei der Wahl der Bauteile möglich; so z. B. beim Erwerb entsprechend gestalteter Fassadenelemente. Metallbauteile im Nachhinein zu verzieren ist schwierig, gerade weil größere Arbeiten nur vorsichtig vorzunehmen sind, um den Bauverbund nicht zu schädigen.

Bei einer Fassadenrenovierung verändert sich im Grunde nicht das Design, es wird lediglich eine Aufbereitung vorgenommen.

Tipps:

  • Reinigen Sie zuerst die Fassade.
  • Schauen Sie dann nach Unebenheiten oder Fehlern, die ausgebessert werden müssen.
  • Treffen Sie als nächstes eine Wahl passender Renovierungs- bzw. Verzierungsangebote.

Bau und Design – darauf kommt es an

Der Bau einer neuen Fassade ist weitaus komplexer als die Verschönerung einer bestehenden. Es kann sich aber durchaus lohnen, eine Fassade zu erneuern, wenn diese in die Jahre gekommen ist, kaputt ist oder es an Dämmung fehlt. Der Neuaufbau braucht nicht zwangsläufig den Abbau der bestehenden Fassade. Gerade verputzte Fassaden an einer Massivwand bieten gute Gelegenheiten für den Aufbau einer vorgehängten Fassade, welche dann aber sehr detailgenau errichtet werden muss, um Bauschäden zu vermeiden. Berücksichtigen Sie bei Ihren Überlegungen alle Funktionen, die eine Fassade erfüllt und wählen Sie Bauart und Baumaterialien entsprechend der Bauweise der betreffenden Immobilie. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie das Mauerwerk aufgebaut ist, machen Sie eine Probe und bohren Sie das Mauerwerk an oder klopfen Sie etwas Putz ab, vornehmlich jenen, der bereits gelockert ist. Wenn Sie eine Verschalung als Fassade haben, reicht es, wenn Sie ein bis zwei Schalungselemente abbauen.

Verfolgen Sie den Wandaufbau von innen nach außen, was für die Bewertung der Diffusionseigenschaften wichtig ist. Berücksichtigen Sie weiterhin das Gewicht und die Festigkeit der Außenwände, um beurteilen zu können, welche Fassadenarten angebracht werden können. So wie niemand Fliesen auf eine Holzdielung kleben würde, würde auch niemand eine schwere Fassade an eine eher leichte Wand anbringen. Planen Sie den Fassadenaufbau vorsorglich vor dem Hintergrund von Diffusionseigenschaften, Witterungsbeständigkeit, Gewicht, Ästhetik und Bauaufwand.