Vinyl, Vlies, Stoff, Glasfaser: Für jeden Geschmack die richtige Tapete

Es muss nicht immer Raufaser sein: Der Tapetenmarkt bietet eine breite Auswahl an Mustern, Farben und Möglichkeiten. Wie wäre es mit einer Wand in Steinoptik ohne lästiges Fliesenverlegen? Oder einer edlen, barocken Stofftapete? Wir erklären, welche Tapetenarten es gibt, für was sie sich eignen und warum auch die gute alte Raufasertapete eine Chance verdient hat.

Die Tapete – vom Luxusgut zur Massenware

Tapeten, gefertigt aus unterschiedlichsten Materialien wie Papier und Textilien, aber auch aus Kunststoff und sogar Leder, galten bis nach dem Zweiten Weltkrieg als Luxusprodukt – unerschwinglich für die breite Masse. Nach 1945 und dem Beginn der industriellen Massenproduktion ist die Tapete heute nicht mehr wegzudenken, auch wenn sie nicht überall den gleichen Boom wie in Deutschland erlebte.

Der Run auf Raufaser – die beliebteste Tapete der Deutschen – ist zum Beispiel in Amerika oder Frankreich überhaupt nicht zu beobachten. Hier greifen die Leute viel öfter zum Pinsel und streichen ihre Wände, so wie es früher die taten, die sich keine Tapete leisten konnten. Wie sich die Zeiten ändern. Wer mehr über die Geschichte der modernen Wandbekleidung wissen möchte, dem sei ein Besuch im Deutschen Tapetenmuseum in Kassel nahegelegt.

Wichtige Kenngrößen bei modernen Tapeten

Egal ob Stoff, Vinyl, Papier oder auch Glasfaser: Drei Kenngrößen definieren – abgesehen von den Maßen natürlich – Einsatzort und Haltbarkeit der Tapeten.

  1. Lichtbeständigkeit: Bleicht die Tapete im Sonnenlicht schnell aus? Die Angaben reichen von „ausreichend lichtbeständig“ bis zum Maximum „ausgezeichnet lichtbeständig“.
  2. Wasserbeständigkeit: Ist die Tapete wasserdicht? Kann sie gar gescheuert werden? Fünf Angaben sind möglich: wasserbeständig während der Verarbeitung; waschbeständig – feucht abwischbar; hoch waschbeständig – mit milder Seifenlauge reinigen; scheuerbeständig; hoch scheuerbeständig
  3. Musteransatz: Sind beim Ankleben Muster zu berücksichtigen? Ansatzfreie Bahnen können einfach geklebt werden. Es gibt auch Tapeten, die immer auf gleicher Höhe (gerader Ansatz) oder in bestimmtem Maße versetzt (versetzter Ansatz) geklebt werden müssen. Gestürzter Ansatz bedeutet, jede zweite Bahn wird verkehrt herum angeklebt. Bei manchen Tapetenarten markieren Pfeile auf der Rückseite die richtige Richtung.

Außerdem finden sich auch immer Angaben zur Kleisterverwendung (Kleber auf Tapete, Kleber auf Wand oder selbstklebend) und zur Entfernung von der Wand (trocken abziehbar, nass abziehbar, spaltbar – obere Schicht trocken, untere Schicht nass).

Tapetenarten und ihre Eigenschaften

Der Tapetenmarkt ist für Laien sehr unübersichtlich. Dabei findet sich für jeden Anspruch das richtige Modell. Ein Überblick:

Der Alleskönner: Papiertapete

Eine Tapete aus Papier ist eine der unkompliziertesten Arten, sich Farbe und Form an die Wand zu bringen. Optisch ist alles möglich, was sich mithilfe von Drucktechniken auf das Trägermedium bannen lässt – ob es Papiertapete in Holzoptik sein soll, eine mit farbigen Ornamenten oder die großformatige Fototapete, eine strukturierte oder eine glatte Tapete.

Dabei ist die Papiertapete unschlagbar günstig, umweltfreundlich – besonders die Varianten aus Recyclingpapier – und atmungsaktiv. Allzu reißfest ist die Tapete allerdings nicht, deshalb Vorsicht beim Aufbringen.

Tapezierhinweise: Der Kleber wird auf die Tapete aufgetragen. Weichdauer beachten. Papiertapete ist nicht dimensionsstabil, das heißt: Sie verändert ihre Größe beim Einweichen und Trocknen. Nass entfernbar.

Untergrundeigenschaften: Wenn nicht grob strukturiert oder speziell beschichtet, kann auf Papiertapete noch eine Bahn Tapete geklebt werden (außer schwere Spezialtapeten).

Dazu ein allgemeiner Hinweis: Handwerker raten immer vom Übertapezieren ab. Es ist nicht wirklich professionell, aber durchaus machbar.

Der Dauerbrenner unter den Papiertapeten ist die Raufaser.

Der Klassiker: Raufasertapete

Wenig ist mit solcher Selbstverständlichkeit in deutschen Wohnlandschaften omnipräsent wie die Raufasertapete in Weiß. Bisweilen auch „Rauhfaser“ geschrieben, ziert die 1864 von Hugo Erfurt in Wuppertal erfundene Strukturtapete die Wände von Wohn- und Gästezimmern, Fluren und Bädern, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Erfurt Raufasertapete ist auch heute noch eine mächtige Marke.

Raufaser besteht aus Altpapier, Zellstoff und Holzspänen – Letztere sind für die ungleichmäßige Struktur verantwortlich. Alles natürliche Rohstoffe: Die Raufaser ist umweltfreundlich und gesund, außerdem atmungsaktiv.

Die Strukturierung von Raufasertapete reicht von fein und relativ glatt über mittel bis grob. Je gröber, desto öfter kann sie überstrichen werden, ohne dass die Struktur leidet. Wer sich das sparen möchte, kann auch gleich farbige Raufasertapete kaufen.

Die Raufaser ist eine der wenigen Tapetensorten, die bei kleineren Beschädigungen ausgebessert werden kann. Am einfachsten gelingt das Ausbessern mit Flüssigraufaser (Baumwollputz), die auf die gesäuberte Fläche aufgetragen wird.

Unschlagbar macht die Raufaser auch ihr günstiger Preis.

Tapezierhinweise: Der Kleber wird auf die Tapete aufgetragen. Weichdauer beachten. Die Tapete ist nicht dimensionsstabil. Nass entfernbar.

Untergrundeigenschaften: Raufaser eignet sich fast nie als Untergrund für eine weitere Tapetenlage, denn die Körnchen der Struktur drücken sich durch und unschöne Knubbel werden sichtbar.

Schön stark: Vliestapete

Aus hochwertiger Zellstoff-Textilfaser-Mischung gefertigt, ist die Vliestapete wesentlich stabiler und reißfester als Papier. Die gesteigerte Strapazierfähigkeit schlägt sich aber in einem etwas teureren Preis nieder.

Vliestapete ist atmungsaktiv, dabei aber widerstandsfähig gegen Feuchte und Dampf. Sie entflammt nur schwer und hat leicht armierende Wirkung – das heißt, sie hält kleinere Risse im Untergrund zusammen.

Die Optik von Vliestapete ist edler als die von Papiertapete. Es gibt sie glatt bis grob geprägt, einfarbig oder bunt bedruckt mit Mustern, Farben und Strukturen. Prunkvoll und extravagant wirkt Vliestapete mit Strukturen in barocken Mustern. Florale Muster eigenen sich für Kinderzimmer oder Küche, außergewöhnliche Farbgestaltungen wie Petrol-Vliestapete oder Vliestapete in Gold machen jeden Raum zum Hingucker. Eine Vliestapete zu streichen ist möglich, ohne dass die Struktur leidet.

Tapezierhinweise: Wandklebetechnik – Der Kleber wird auf die Wand aufgebracht. Spezialkleber benutzen. Vliestapete ist leicht durchscheinend, deshalb beim Tapezieren auf einen gleichmäßigen Untergrund achten, gegebenenfalls mit Grundierung vorbehandeln. Dimensionsstabil. Beim Anbringen von Vliestapeten mit Muster: Ansätze beachten.

Untergrundeigenschaften: Wenig geeignet zum Übertapezieren. Vliestapeten sind trocken in Bahnen abziehbar, deshalb ist der Entfernungsaufwand denkbar gering.

Wer nicht zwischen Vlies- und Papiertapete entscheiden mag, findet diese Alternative vielleicht passend:

Kombiniert: Vlies-Raufaser

Vlies-Raufaser-Tapete vereint die Vorteile von Vliestapeten und Raufaser: Sie wirkt leicht armierend, ist strapazierfähig, dabei umweltfreundlich und ohne Weichmacher hergestellt.

Tapezierhinweise: Vlies-Raufaser wird wie Vliestapete direkt von der Rolle tapeziert. Der Spezialkleister für Vliestapeten gehört an die Wand. Dimensionsstabil. Nass entfernbar.

Untergrundeigenschaften: Ähnlich wie bei klassischer Raufaser drücken sich die Holzspäne-Knubbel durch. Nicht zum Übertapezieren geeignet.

Edel: Die Stofftapete

Besonders exquisit wirken Wände, die mit Stofftapete tapeziert werden. Bei Textiltapeten handelt es sich um Papierbahnen, die mit Kunst- oder Naturfasern wie Sisal, Filz, Hanf oder Wolle beklebt werden. Sie ist als Kettfäden- oder Gewebevariante erhältlich: Die Fasern sind entweder in Längsrichtung angeordnet oder miteinander verflochten. Letztere Variante ist etwas teurer, weil das Verweben recht arbeits- und materialintensiv ist. Auf Qualität zu achten lohnt sich, denn mittelmäßige Fasern bleichen schneller aus.

Mit Stofftapete lassen sich ganz einzigartige Highlights in der Wohnung zaubern. Barocktapeten in Textil wirken besonders prunkvoll. Florale Muster und Ornamente sehen ausgefallen und schick aus. Aufgrund der Musteransätze zwischen den Bahnen ist akkurates Tapezieren Pflicht.

Diese Tapeten sehen aber nicht nur schön aus: Es macht direkt Spaß, sie zu berühren und sie sind je nach Dicke schall- und wärmedämmend. Überstrichen werden kann die Textiltapete natürlich nicht. Gegen Nässe ist sie sehr empfindlich. Dafür kann sie mit dem Staubsauger gereinigt werden.

Tapezierhinweise: Kettfadenvarianten werden meist mit Kleber bestrichen und eingeweicht. Gewebetapete wird auf der eingekleisterten Wand angebracht. Anweisungen beachten. Oft ist Spezialkleister nötig.

Textiltapeten sind spaltbar. Das heißt, die Stoffbahn kann trocken abgezogen werden. Die Papierbahn muss nass entfernt werden oder bleibt als Untergrund für die neue Tapetenbahn.

Untergrundeigenschaften: Stoff ist ungeeignet zum Übertapezieren – entfernen. Die Papierbahn kann problemlos übertapeziert werden.

Schaumig: Die Vinyltapete

Das schöne Relief von Vinyltapeten liefert Kunststoff – meist PVC. Er wird auf die Trägerbahn aus Papier oder Vlies aufgeschäumt. Naturgemäß ist die Kunststoffoberfläche beständig gegen Wasser und damit ideal für den Einsatz in Küche oder Bad. Allerdings sind die Vinyltapeten nur wenig atmungsaktiv, weshalb Feuchträume regelmäßig und gründlich gelüftet werden müssen, sonst droht Schimmelbildung.

Natürlich kann Vinyltapete auch in trockenen Räumen tapeziert werden und sorgt dort für besondere Tiefenwirkung an der Wand. Erhältlich sind die Tapeten in vielen Formen und Farben, zum Beispiel in komplexer Steinmaueroptik. Sie kann überstrichen werden und wird als schwer entflammbar klassifiziert. Moderne Vinyltapeten werden aus umweltneutralen Schäumen hergestellt, von denen keine Gesundheitsgefahr ausgeht.

Tapezierhinweise: Je nach Trägermaterial gehört der Kleber auf die Wand (Vlies) oder auf die Tapete (Papier). Nicht zu fest andrücken, um das Relief nicht zu beschädigen. Spaltbar – obere Schicht trocken entfernen, untere nass abziehen oder als Untertapete erhalten.

Untergrundeigenschaften: Nicht zum Übertapezieren geeignet, denn auf der Wasser abweisenden Kunststoffoberfläche haftet der neue Kleber nur schlecht.

Der Kraftprotz: Die Glasfasertapete

Diese auch Glasfaservlies genannte Tapetenart wird aus mineralischen Glasfasern gewebt. Die Verwebung kann einfach als Fischgrät- oder Rautenmuster erfolgen. Möglich sind aber auch komplexe und ausgefallene Strukturen bis hin zum eingewebten Firmenlogo.

Sie ist außerordentlich robust und langlebig, wirkt zudem armierend. Glasfasertapete hält bis zu 30 Jahre und kann bis zu zehn Mal überstrichen werden, ohne dass die Struktur leidet. Im Gegenzug ist Glasgewebetapete auch recht teuer, angefangen im niedrigen zweistelligen Bereich pro Bahn.

Eingesetzt wird sie seit längerer Zeit in stark frequentierten Räumen wie Behörden und Eingangshallen, aber auch im medizinischen Bereich – die Glasfasertapete kann desinfiziert und gescheuert werden. Sie verrottet und schimmelt nicht, weil sie keine Poren oder Fugen hat.

Atmungsaktiv ist sie folglich nicht und leistet keinen positiven Beitrag zum Raumklima. Deshalb muss der großflächige Einsatz in Wohnungen wohlüberlegt sein. Zum Hervorheben einzelner Wände eignet sie sich ganz wunderbar. Das Streichen von Glasfaservlies ist unabdingbar für den Halt und die Haltbarkeit.

Tapezierhinweise: Wird mit Spezialkleber in Wandklebetechnik aufgebracht. Dimensionsstabil. Muss meist zweimal überstrichen werden (Zwischen- und Schlussanstrich). Bei der Arbeit mit ungestrichener Glasfasertapete können sich juckende Glasfasern lösen – Mundschutz tragen.

Trocken ablösbar – auch hier Mundschutz tragen. Glasfasertapete muss auf Spezialdeponien als Mineralfasermüll entsorgt werden.

Untergrundeigenschaften: Kann theoretisch übertapeziert werden. Starke Muster und Strukturen können durch die neue Tapetenbahn durchscheinen, wenn sie zu dünn ist. Ist die Glasfasertapete mit Seidenlatex oder Polyurethan überstrichen, hält der neue Kleber möglicherweise nicht. An unauffälliger Stelle testen.

Weitere Tapetenarten

  • Flüssigtapete: Baumwollputz; wegen der Optik auch flüssige Raufasertapete genannt; besonders für Heimwerker geeignet
  • Fototapete: Tapete mit großflächigem Fotomotiv aus unterschiedlichen Materialien; Ansätze beachten
  • Kunststofftapete: andere Bezeichnung für Vinyltapete
  • Mustertapete: meist Papiertapete mit aufgedruckten Mustern; auf Ansätze achten
  • Naturtapete: Papiertapete mit aufgeklebten Materialien wie Gräsern, Kork, Bambus; besondere Haptik und Raumklimatik; ausgefallener Look; Tapeziererfahrung nötig
  • Schaumtapete: anderer Name für Vinyltapete
  • Seidentapete: Luxustapete aus Seide auf Papier; Tapeziererfahrung nötig, da kein Kleber auf den Stoff tropfen darf
  • Strukturtapete: auch Prägetapete; mehrere Papierlagen werden zusammengewalzt und die Muster eingeprägt
  • Velourstapete: Vliesbahn mit textiler Beflockung als samtigem Velours

Die einfache Variante: Selbstklebende Tapete

Kleisterkleckse auf dem Boden und der Kleidung, matschige Reste und Tapeten an Stellen, an den keine sein soll: All dies gehört mit selbstklebender Tapete der Vergangenheit an. Die gibt es in vielen Designs und Arten: zum Beispiel in der Lieblingsfarbe, als Fototapete, in rustikaler Holzoptik, als floraler Blickfang oder als umlaufende Bordüre zum Aufkleben.

Vor allem Papier- und Vinyltapeten sind selbstklebend zu haben, denn die Bahnen dürfen nicht zu schwer sein. Selbstklebende Vliestapeten sind ebenfalls verbreitet.

Das Vorgehen ist einfach: Das Trägerpapier wird stückweise abgezogen und das freigelegte Tapetenstück sofort an die Wand geklebt und angedrückt. Dann wird das nächste Stück abgezogen. Noch einfacher und schneller geht´s zu zweit.

Das gilt aber auch für herkömmliches Tapezieren. Zwei Hände und zwei Augen mehr schaden nie.